BENJAMIN BRITTEN

 
 

Babylon bleibt unerlöst -
Regisseur Tobias Heyder deutet die Rahmenhandlung mutig und scharf aus: Es sind Sträflinge, die sich an dem heiligen Sujet versuchen und es nicht ohne Brüche hinkriegen, weil sie immer wieder in Gefängnis-Verhaltensweisen zurückfallen, ihren Mitspielenden mit echter Gewalt, Zärtlichkeit, Ruppigkeit begegnen. Wenn zum Schluss der Nebukadnezar-Darsteller müde grinsend am Boden sitzt und ein Akteur sogar erschlagen daliegt, wird klar: dieses Babylon bleibt unerlöst; der triste Häftlingsalltag hat über das mirakulöse Freizeitprogramm gesiegt. Ein utopisches Surplus bleibt freilich aufbewahrt in der stummen Figur des Bibel lesenden Knaben - ähnlich sublim die schlichte Imagination des Feuers durch eine Kerze, getragen von einem Ministranten.                          FRANKFURTER RUNDSCHAU        

Tyrannen lieben starke Götter
Der junge Regisseur Tobias Heyder ist so klug, zurückhaltend mit allem unterschwellig oder offenkundig Aktuellen umzugehen. Heyder inszeniert blitzsauber eine Choreografie von Gruppenabstoßung und Gruppenzwang, Vereinnahmung und Ausgrenzung. Die kleine Bühne fällt nach vorne ab. Da ist kein Platz mehr, jedem seinen Gott zu lassen.                                                                 MANNHEIMER MORGEN